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20. November 2009 Volkswagen übernimmt Teile des insolventen Osnabrücker Autozulieferers Karmann. VW teilte am Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung mit, das Unternehmen werde Maschinen und Immobilien von Karmann aufkaufen und in Osnabrück ab 2011 eine Fahrzeugproduktion starten. Dazu will der Konzern innerhalb der kommenden Wochen eine neue Tochtergesellschaft gründen, wie VW am Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung mitteilte. Bis 2014 soll es dort insgesamt mehr als 1000 Arbeitsplätze geben.

VW will in Osnabrück ein neues Golf-Cabrio bauen. Bereits im kommenden Jahr brauche VW 200 Spezialisten zum Start des neuen Projekts. Offenbar können sich Karmann-Arbeiter gute Chanchen auf einen der 1000 Jobs ausrechnen.

VW signalisierte, die momentane Belegschaft von Karmann und auch frühere Mitarbeiter beschäftigen zu wollen. „Die Mitarbeiter und ehemaligen Mitarbeiter der Firma Karmann verfügen über langjährige Erfahrung in der Produktion von Kleinserienmodellen, auf die entsprechend des Bedarfs zurückgegriffen werden soll“, erklärte Volkswagen. Nach dem Beschluss des Aufsichtsrates über den Kauf von Karmann würden jetzt mit dem Insolvenzverwalter und den Karmann-Eigentümern abschließende Verhandlungen geführt.

Karmann war wegen der schweren Autokrise und ausbleibender Aufträge in Turbulenzen geraten und musste im April dieses Jahres Insolvenz anmelden. Ende 2007 hatte Karmann noch 7000 Beschäftigte weltweit, im Sommer dieses Jahres waren es noch 1500, derzeit sind es noch rund 800 Beschäftigte.

Im Juni rollte bei Karmann das letzte komplette Auto vom Band. Das Unternehmen baute in der Vergangenheit für große Autokonzerne Fahrzeuge in Kleinserie. Berühmt wurde Karmann in den Nachkriegsjahrzehnten unter anderem durch das Kultauto Karmann Ghia und die Produktion des VW-Käfer.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) begrüßte den Einstieg von Volkswagen. „Ich bin erleichtert, dass der Automobilstandort Osnabrück nach jahrelangen Bemühungen gerettet ist - und das in Zeiten einer schweren Wirtschaftskrise. Die Automobilinnovationsschmiede in Osnabrück wird Entwicklung, Serienfertigung, Karossenfertigung und Komplettfahrzeugbau betreiben“, erklärte Wulff am Freitag in Hannover. Damit werde den Beschäftigten eine neue Perspektive gegeben.

VW-Aufsichtsrat billigt Details der Porsche-Übernahme
In der Nacht zum Freitag hat VW außerdem einen weiteren wesentlichen Schritt in Richtung Porsche-Übernahme gemacht - der seit Jahren andauernde Übernahmekampf von VW und Porsche steht damit offenbar vor dem Ende.

Der Volkswagen-Aufsichtsrat stimmte in seiner nächtlichen Sitzung den so genannten Durchführungsverträgen zur Übernahme von Porsche zu, wie VW mitteilte. Im August war bereits eine Grundlagenvereinbarung dazu getroffen worden.

Auch Porsche hat der eigenen Übernahme durch Volkswagen zugestimmt. Der Aufsichtsrat des Unternehmens erteilte am Freitag seine Zustimmung zu dem
Vertragswerk, das die Umsetzung der Grundlagenvereinbarung zur Verschmelzung der beiden Unternehmen regelt. Damit ist der geplante Zusammenschluss unter Dach und Fach.

Ursprünglich hatte Porsche versucht, die deutlich größere Volkswagen AG zu übernehmen. Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise ging den Stuttgartern aber das Geld aus; sie verhoben sich bei dem Versuch, den Massenhersteller unter das Dach der Sportwagenholding zu bekommen. Mitte August stimmte dann der hoch verschuldete Sportwagenhersteller nach dramatischen Verhandlungen zu, als zehnte Marke bei der Volkswagen AG eingegliedert zu werden.